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Aktuelles

Vortrag im Forum Hasetal

 

von Caroline Renschen

Copernicus-Gymnasium Löningen

 

Ein buntes Bild erscheint auf der Leinwand: ein Fisch mit sorgfältig ausgemalten Schuppen. Für die Zuhörer im Forum Hasetal ist ganz klar: das hat ein Mädchen gemalt. Es ist so bunt und ordentlich. Dann erscheint ein überwiegend chaotisches Bild in dunklen Tönen. Im Saal ist man sich wiederum einig: das hat ein Junge gemalt. Situationen, die alle kennen. Doch schon widerlegt Prof. Dr. Jürgen Budde die Erwartungen mit gegensätzlichen Beispielen und spiegelt damit, wie unsere Bilder im Kopf ganz wesentlich die Erwartung an das Gegenüber bestimmen. Der renommierte Jungenforscher von der Europa-Universität Flensburg (EUF) warnt davor, dass Erwartungshaltung und Verhalten sich gegenseitig bedingen können. In den Medien sind Jungen als Bildungsverlierer aktuell im Gespräch – seitdem akzeptieren sich immer wieder Jungen in Interviews als solche. Budde forscht seit über 20 Jahren zum Thema Jungen und Männlichkeitskonzepte. Bei aller Vielfalt und individuellen Abweichungen stellt er eindeutige Tendenzen im Verhalten von Jungen und Mädchen fest:

Jungen haben in unsicheren Situationen ein Bedürfnis nach Eindeutigkeit– notfalls mit Gewalt – Mädchen richten Gewalt eher gegen sich selbst. Bei Jungen steht eine starke Körperlichkeit im Fokus, sie nutzen ihren Körper als Ressource und als Bühne. Laut Budde fehlt es aktuell an zeitgemäßen männlichen Vorbildern. Das Ideal der Unabhängigkeit ist schwer mit der neuen Väterrolle in Einklang zu bringen. Das zeige sich schon auf dem Büchermarkt. Heldinnen in Kinderromanen seien sehr vielfältig, von der romantischen Prinzessin bis zur heldenhaften Kämpferin. Bei Jungen erscheine diese Vielfalt weniger selbstverständlich, manchmal zu gewollt, zu künstlich.

Im September 2025 hatte das Copernicus-Gymnasium ein Team aus Flensburg eingeladen, um die gefühlte Temperatur statistisch zu unterfüttern. Das Team führte vier Tage lang Interviews mit Lehrern, Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 5-13, der SV sowie der Sozialarbeiterin und beobachtete die soziale Interaktion in Klassen.

Das Ergebnis: Der Leistungsunterschied von Jungen und Mädchen ist hier überraschenderweise seit Jahren relativ konstant, die Differenz im Notendurchschnitt ist im bundesweiten Vergleich relativ gering. Geringere Leistungen sind deutlich überwiegend nicht fachlich bedingt, sondern eine Frage des Sozialverhaltens und der Ordnung. 

Bei der anschließenden Diskussion wird die Frage deutlich, die nicht nur die anwesenden Kolleginnen und Kollegen aus Kitas und Grundschulen sowie natürlich die Eltern umtreibt: Wie kann Bildung konkret aussehen, die beiden Geschlechtern gerecht wird? Die Frage steht im Raum, ob individualisiertes Lernen Antworten auf diese Fragen bringen kann. Hier kommt der Abend an seine Grenzen, zeigt jedoch zugleich die Relevanz der Veranstaltung auf: Forschungen zu jungenspezifischer Didaktik und Methodik existieren einfach noch nicht. Eine weitere Kooperation zwischen dem CGL und der EUF sind geplant. Wir freuen uns schon darauf!

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