Austausch - ganz individuell!
von Melina Schweizer und Marina Benken (10a)
Wir sind Marina und Melina und haben dieses Jahr an dem Französischaustausch unserer Schule teilgenommen. Dieses Jahr war es kein gewöhnlicher Schüleraustausch mit dem halben Jahrgang, sondern ein Individualaustausch. Das heißt, dass nur wir beide drei Wochen in Frankreich verbracht haben und deshalb ganz andere und besondere Erlebnisse hatten.
Am frühen Morgen am 26. April ging es mit dem Auto los Richtung Köln. Von dort aus sind wir dann mit dem Zug nach Paris gefahren. Schon die Fahrt war sehr aufregend, denn in Paris wurden wir bereits von unseren Austauschpartnerinnen Jade und Maxime erwartet. Voller Begeisterung haben wir uns dann auf den letzten Abschnitt unserer Reise begeben. Im Auto fanden schon die ersten Kommunikationsversuche statt, die mit ein wenig Hilfe vom Übersetzer auch gut klappten. Da unsere Gastfamilien sehr nah an der Küste wohnen, haben wir, bevor wir endlich angekommen waren, noch einen kleinen Abstecher ans Meer gemacht.
Nachdem wir also am ersten Tag schon viele Eindrücke sammeln konnten, ging es am zweiten Tag direkt in die Schule. Was erstmal der größte Kulturschock für uns war, ist, dass die meisten Schulen in Frankreich von 8 bis 17 Uhr gehen. Mittwochs ist allerdings schon um 12 Uhr Schluss. Im Nachhinein war der lange Schultag aber gar nicht so schlimm, da wir auch dort viel Freude hatten und neue Menschen und Kulturen kennenlernen durften. Z. B. war es ganz normal, dass jeder in der ersten Stunde nach dem gemeinsamen Essen in der Kantine 15 Minuten liest. Auch die abwechslungsreichen Klingeltöne des Schultags waren für uns sehr amüsant. Es gab z. B. Harry-Potter-Musik, die die Lesezeit beendete.
Auch neben der Schule haben wir in unseren Gastfamilien viel erlebt. Wir haben Ausflüge nach Fécamp, Le Havre oder zum nahegelegenen Strand gemacht, bei denen wir unvergessliche Momente erleben durften.
Da wir in unterschiedlichen Gastfamilien gewohnt haben, haben wir teilweise auch ganz verschiedene Erfahrungen gemacht. Für eine von uns ging es sogar direkt am ersten Wochenende nach Burgund, zu einer Überraschungsparty für eine der Gastmütter. Das war eine tolle Möglichkeit, einmal die ganze Familie kennenzulernen und einen weiteren Teil Frankreichs zu entdecken.
Aber auch beim gemeinsamen Abendessen mit der Familie wurde es zwischen netten Unterhaltungen, leichten Kommunikationsproblemen und super leckerem Käse nie langweilig. Gerade die kleinen Kommunikationsprobleme haben im Nachhinein für einige lustige Momente gesorgt. Manchmal fehlte uns ein Wort oder wir wussten nicht genau, was gesagt wurde, aber meistens konnten wir uns trotzdem irgendwie verständigen.
So vergingen die drei Wochen wie im Flug und der Tag unseres Abschieds rückte immer näher. Aber einen schönen Abschluss hatten wir trotzdem noch. Wir sind schon einen Tag bevor wir abreisen mussten nach Paris gefahren, um uns die Stadt etwas genauer anzuschauen. Neben dem Eiffelturm, Notre-Dame, L’Arc de Triomphe und Co. sind auch hier Erinnerungen fürs Leben entstanden. Am nächsten Tag war es aber leider so weit und es hieß Abschied nehmen.
Aber das war noch lange nicht das Ende. Am 13.09. ging es für uns nämlich wieder nach Köln, um unsere Austauschpartnerinnen aus dem Zug abzuholen, in dem wir vor einigen Monaten selbst saßen. Natürlich war die Freude riesengroß und das Wiedersehen unbeschreiblich. Die Mädchen wurden hier ebenfalls mit in unseren Schulalltag genommen, wobei der erste Tag schon ein kleiner Schock gewesen sein muss, da wir im Vergleich zu ihnen einen sehr kurzen Schultag haben.
In den drei Wochen entstanden viele unvergessliche Momente und Dinge, über die wir heute noch lachen können. Da wir in Frankreich so einige Wörter gelernt haben, darunter auch nicht so nette, mussten wir ihnen natürlich auch etwas beibringen, was uns allen sehr viel Spaß gemacht hat. Hier ging es zwar nicht zum Meer, aber nach der Schule hieß es dann auch entweder, mit der Familie bei einer Runde Karten ins Gespräch zu kommen oder bei Ausflügen nach Oldenburg, Bremen oder zum Alfsee Deutschland kennenzulernen. Auch ein Besuch auf dem Kramermarkt durfte nicht fehlen.
Obwohl wir während unseres Austauschs teilweise unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, konnten wir uns danach immer wieder darüber austauschen und unsere Erlebnisse miteinander teilen. Gerade das hat den Individualaustausch für uns besonders gemacht. Jede von uns konnte ihren eigenen Alltag in einer französischen Familie erleben und gleichzeitig viele gemeinsame Erinnerungen sammeln.
Nachdem wir die beiden drei Wochen bei uns zu Hause aufgenommen haben, sind wir noch einmal mehr zusammengewachsen, was den Abschied natürlich erschwert hat. Aber wir sollten dies nicht als „endgültigen“ Abschied bezeichnen, da wir nur eine Zugfahrt voneinander entfernt wohnen.
Über dieses Erlebnis kann man nur sagen, dass wir diese Chance nicht bereuen. Wir würden den Austausch gerne noch einmal machen und euch dazu überzeugen, über euren Schatten zu springen und die Chance zu ergreifen. Obwohl die Sprachbarriere die ersten paar Stunden echt schwer war, haben wir uns bereits nach dem ersten Schultag sehr willkommen gefühlt. Nach drei Wochen hat sich unser Französisch bemerkbar verbessert und wir haben gemerkt, dass wir uns immer mehr getraut haben, einfach zu sprechen, auch wenn nicht immer alles perfekt war.
Wenn ihr das Gefühl habt, neue Kulturen in einem Austausch kennenzulernen, ohne extrem viel Geld dafür auszugeben, ist dieser Individualaustausch die beste Wahl. Man sammelt Erfahrungen, die man in einem normalen Urlaub wahrscheinlich nie machen würde, weil man den Alltag einer anderen Familie wirklich miterlebt. Wir hoffen, dass ihr genauso gute Erinnerungen für die Ewigkeit schaffen könnt und vielleicht selbst den Mut findet, diese Chance zu ergreifen.
